„DIE Antworten“

Der Selbsttest von eyebizz-Autor Thorsten Boss in der aktuellen eyebizz 01.2026 dient nur zur Orientierung und lässt auch Fragen offen. Einige stellte er im Nachgang und zur Begleitung des Tests den diversen Herstellern: Hier gibt es die (unbearbeiteten) Antworten der Anbieter.

Wer sich das Testergebnis und die Meinung einiger Anbieter dazu noch einmal live im Webinar anschauen mag, der kann sich für den 21.1. um 10 Uhr kostenfrei in der partnerauge-Akademie anmelden.

bon optic

Beim Test wurde ein reines KI-Screening bewertet – worin unterscheidet sich iCare ILLUME vom neu eingeführten CONNECT-Modul?

iCare ILLUME vernetzt Screening-Anbieter und Augenärzte. Wenn iCare RETCAD oder der Screening Anbieter eine Überweisung empfiehlt, ermöglicht iCare ILLUME Connect die sofortige und direkte Überweisung des Patienten an einen regionalen Augenarzt.
iCare ILLUME Connect ist eine sichere Erweiterung von iCare ILLUME, die für Augenärzte entwickelt wurde und es ihnen ermöglicht, Überweisungen zu erhalten und darauf zu reagieren, indem sie die KI-Screening-Ergebnisse, Bilder und Screening-Notizen direkt an ihre lokale Praxis übermittelt bekommen. Es ermöglicht die Echtzeit-Koordination der Augenversorgung zwischen Optikern, Diabeteszentren und Augenspezialisten.

Der Testbericht weist einen „Verdacht auf Glaukom“ aus, während andere Berichte keinen solchen Verdacht nennen – wie erklären Sie diese Diskrepanz?

Da es sich bei Glaukom um eine komplexe Netzhauterkrankung handelt, wird die Diagnose in der klinischen Praxis meist anhand mehrerer Tests gestellt, z. B. Fundusbildgebung, OCT, Augeninnendruck und/oder Perimetrie. Da die RETCAD-KI nur Fundusbilddaten als Eingabe verwendet, sollte das Ergebnis eher als Hinweis auf das Vorliegen eines Glaukoms denn als vollständige klinische Diagnose angesehen werden. Daher wird der Begriff „Verdacht auf Glaukom” verwendet und nicht die Diagnose „Glaukom”.

Der Screening-Bericht basiert überwiegend auf Scoring-Angaben. Können Sie erläutern, aus welchen Parametern diese Scores abgeleitet werden?

Für DR wird die ICDR-Skala (International Clinical Diabetic Retinopathy) verwendet. Für AMD wird die AREDS-Skala (Age-Related Eye Disease Studies) verwendet, und für Glaukom wird ein Verdachtshinweis verwendet.
Die RETCAD-KI wird mit über hunderttausend Netzhautbildern trainiert, die jeweils von einem oder mehreren Experten für diese Krankheitsskalen gekennzeichnet wurden. Die KI wird dann trainiert, diese Bewertungsskala anhand der Trainingsdaten mithilfe von Deep-Learning-Technologie zu „lernen” und eine Klassifizierung neuer, unbekannter Bilder (z. B. Testdaten) für diese Netzhauterkrankungen anzuwenden.
Die KI gibt die Punktzahl auf einer kontinuierlichen Skala aus. Für DR liefert die KI beispielsweise eine Punktzahl zwischen 0 und 4,99, die sich auf die ICDR-Klassifizierungsskala bezieht. Die KI ist in der Lage, eine kontinuierliche Punktzahl anstelle einer ganzzahligen Punktzahl (5-Punkte-Skala) zu liefern, da sie eine Regressionsklassifizierung verwendet.

Im Bericht wird ein Quality-Score (QA) genannt – wie wird die Schwelle (z. B. < 25,00 %) definiert und berechnet, und lässt sich Ihr Auswertesystem auf andere Kameramodelle adaptieren?

Der Qualitätswert ist ebenfalls ein Wert, der von der RETCAD-KI anhand des Eingabebildes unter Verwendung einer ähnlichen Technik abgeleitet wird. Ein KI-Modell wird trainiert, um zu bestimmen, ob die eingegebenen Bilddaten von ausreichender Qualität sind. Der Qualitätswert liegt zwischen 0 und 100, wobei 100 eine perfekte Qualität angibt. Dieses Qualitäts-KI-Modell wurde anhand eines großen Trainingssatzes trainiert, bei dem jedes Bild von einem oder mehreren menschlichen Experten hinsichtlich der Bildqualität bewertet wurde.
Der Schwellenwert bestimmt, wann ein Bild als qualitativ unzureichend eingestuft wird. In der Praxis sollten, wenn ein oder beide Augen des Patienten als qualitativ unzureichend eingestuft werden, neue Bilder für diesen Patienten aufgenommen werden oder der Patient sollte an einen menschlichen Experten überwiesen werden.
Der Schwellenwert von 25 % wurde empirisch anhand realer klinischer Daten als Kompromiss zwischen der Leistung der KI bei der Erkennung von Krankheiten und der Anzahl der Wiederholungsaufnahmen/Überweisungen aufgrund schlechter Qualität festgelegt.
Ein zu niedriger Schwellenwert bedeutet, dass die Leistung der RETCAD-KI bei der Erkennung von Krankheiten aufgrund schlechter Eingabedaten beeinträchtigt werden könnte, während ein hoher Qualitätsschwellenwert bedeutet, dass mehr Patienten eine Wiederholungsaufnahme oder Überweisung benötigen würden, was die Arbeitsbelastung erhöht.

epitop

Wie stellen Sie die Anschlussversorgung für Patienten bei regionalen Augenärzten sicher?

Hier haben wir mehrere Möglichkeiten: da wir ursprünglich aus der Augenheilkunde kommen verfügen wir einerseits bestehende, aber auch wachsende Zahl an Ärzten in unserem Netzwerk. Die binden wir regional schrittweise ein und bringen Ärzte und Optiker an einem virtuellen Tisch Hierzu nutzen wir unsere Plattform, die eine gemeinsame elektronische Patientenakte als Kernprodukt hat. Damit können Ärzte und Optiker gemeinsam auf einer gemeinsamen Akte zugreifen, sehen alle Messungen, Screening Ergebnisse und können sich austauschen. So ist sicher gestellt, dass die Anschlussversorgung nicht erst im Wartezimmer entschieden wird, sondern bereits frühzeitig, anhand aller vorliegenden Daten und gemeinsam zwischen Augenoptiker und Arzt. Zusätzlich nutzen wir innerhalb der Plattform ein strukturiertes medizinisches Routing. Das bedeutet: Sobald ein Screening auffällig ist, kann der Optiker den Fall über BRYDGE an einen Netzaugenarzt oder – je nach Befund – auch an einen Hausarzt senden. Der Arzt sieht nicht nur das Bild, sondern alle Messwerte, Anamnesedaten, frühere Befunde sowie die KI-Auswertung, und kann daraus sehr gezielt entscheiden:

  • ob der Patient zeitnah vorgestellt werden soll,
  • ob keine Vorstellung nötig ist und ein Verlaufskontrollintervall definiert wird,
  • ob zusätzliche Untersuchungen beim Optiker sinnvoll sind (z. B. RR-Messung, OCT, Wiederholungsfoto),
  • oder ob die Anfrage an einen spezialisierten Kollegen weitergeleitet wird.

Der Vorteil: Die Entscheidung findet nicht mehr „im luftleeren Raum“ statt, sondern anhand kompletter Daten in einer gemeinsamen Akte, noch bevor der Patient überhaupt einen Termin bucht. Das sorgt für präzise Triage, kurze Wege und verhindert unnötige Arztkontakte – während relevante Patienten deutlich schneller dort ankommen, wo sie medizinisch hingehören.

Ihr Bericht sieht die Einbindung in die elektronische Patientenakte (e-Akte) vor – welchen konkreten Nutzen hat diese Integration für Patientinnen und Patienten?

Das Thema Screening ist bei uns nicht als einzelnes Produkt positioniert, sondern als ein Baustein in der gesamten Versorgungskette. Durch das Screening haben die wir Augenoptik in diese Kette mit eingebunden. Deswegen ist es auch zwingend erforderlich, dass die Datn der Patientenakte landen, damit auch z.B. Ärzte im Rahmen der Weiterversorgung drauf zugreifen können.
Gleichzeitig gilt diese Kommunikation in beiden Richtungen. So kann der Arzt auch aus seiner Akte den Optiker Daten zur Verfügung stellen (z.B. Linsen Implantats Ausweis) etc. oder Messungen und Bilder teilen, die beide benötigen.
Und nicht zuletzt brauchen Auswertungen im Rahmen der Versorgung (sei es Screening Kalkulationen, Risikoberechnungen, Wiedervorlage fristen, eine individuelle Datenbasis, die aus der Akte kommt. So können wir daher als einzige die Ergebnisse der KI aus der Bildanalyse der Netzhautbilder mit der Patientenakte und die historischen Daten matchen und so eine – weit über das Bild hinaus gehende – Versorgungsrelevante Aussage treffen.

Als einziger Anbieter adressieren Sie im Bericht Gefäßbefunde und mögliche Verweise an den Hausarzt – welchen Mehrwert bietet dies für die Patientenversorgung?

Wir sehen an der Netzhaut nun mal mehr als es nur für den Augenarzt relevant ist, so kann der Augenarzt bei Zeichen eines Bluthochdrucks oder Diabetes therapeutisch nicht eingreifen, wie er es bei AMD und Glaukom kann.
Optometrische Screenings betreffen zum großen Teil vaskuläre und metabolische Prozesse, nicht primär ophthalmologische. Die Mehrheit aller Befunde im Screening ist sogar systemisch, nicht ophthalmologisch.
Dazu zählen: hypertensive Retinopathie, diabetische Mikroangiopathie, Gefäßveränderungen, arterielle Störungen des Mikrokreislauf
Daher ist es zwingend erforderlich den Hausarzt mit einzubinden, v.a. weil die allergrößte Mehrheit der Auffälligkeiten im Rahmen des Screenings das Gefäßsystem mit betreffen. So ist die Rolle des Hausarztes fast sogar wichtiger beim Screening des Stoffwechselaktivsten Organ des Körper (Netzhaut) als die Rolle des Augenarztes.
Durch die Integration des Hausarztes erreichen wir auch, dass nicht bei jeder Auffälligkeit am Auge sofort der Augenarzt im Fokus steht. So können wir bei den Fällen, wo der Augenarzt ohnehin der falsche Ansprechpartner ist, gleich zum Hausarzt kanalisieren und der Patienten ist im Rahmen der Weiterversorgung gleich optimal aufgehoben.
Durch die gemeinsame Akte, die auch der Hausarzt nutzen kann, entfällt auch die Erklärung was da gemacht wurde durch den Patienten, der Ahausarzt kann gleich ansetzen und die Betreuung weiterführen.
Die Integration des Hausarztes ist deshalb kein Zusatzfeature, sondern ein zentraler Teil des medizinischen Nutzens.
Der Augenarzt darf Bluthochdruck, Diabetes und Lipidstörungen gar nicht behandeln.
Der Hausarzt muss es.

In Ihrem Bericht werden Aussagen zum Herz-Kreislauf getroffen – auf welcher Datenbasis und durch welche Methoden leiten Sie diese Ableitungen ab?

In der Tat halten wir das Thema für ein extrem spannendes und für den Optiker relevantes Thema.
Mit unserer neuen Deep Vision AI rückt die Rolle der Netzhaut als ein wesentlicher Faktor des Sehens und deren Kontext im metabolischen System in den Vordergrund der Brillenberatung: Ist die Netzhaut nicht optimal versorgt, nutzt die beste Brille nichts. Hierzu analysieren wir viele Parameter (siehe die unten angeführten Studien) die unabhängige Prädiktoren die Mikroversorgung sind.
Durch die Analysemöglichkeiten der Netzhaut und die Rückschlüsse aus das Herz-Kreislauf system inkl. Netzhautversorgung, erhalten Optiker – mit der Netzhautanalyse – einen sehr relevanten Parameter in der Brillenberatung, die auf die Sensibilität der Netzhaut eingeht –> Muss man sie mit mehr oder weniger Kontrast unterstützen? Helfen Biometrische Gläser oder sind sie eher nicht hilfreich? Alles Fragen, die sich nur beantworten lassen, wenn man die Stoffwechsellage und Sensitivität der Netzhaut versteht.
Die Netzhaut ist das einzige Fenster auf die Mikrozirkulation des Körpers. Zahlreiche Studien zeigen die Korrelation zwischen retinalen Gefäßparametern und systemischen Risiken.
Als Datenbasis nutzen wir zahlreiche Studien und Algorithmen, die auch bei Hausärzten im Einsatz sind:
ARIC Study (Atherosclerosis Risk in Communities), 12.000 Teilnehmer, 30 Jahre Follow-Up, enge Korrelation zwischen Gefäßkaliber, Retinopathie-Markern und Myokardinfarktrisiko, Framingham & Framingham Offspring Study, ca. 9.000 Teilnehmer, retinal vessel diameters als unabhängige Prädiktoren für Schlaganfall & KHK, UK Biobank, 500.000 Teilnehmer, Substudien mit >60.000 Fundusbildern, starke Evidenz für Mikrogefäß-Biomarker als Risikoindikatoren, ARRIBA (Deutschland), Leitlinienbasiertes hausärztliches Risikomanagement, Modelle zur Vorhersage des 10-Jahres-Herz-Kreislauf-Risikos

Ocumeda

In Ihrem Bericht werden Refraktionsdaten (z. B. sph. −3,75, Visus 1.2) als auffällig (Gelb) markiert – worauf genau stützt sich diese Einstufung?

Die gelbe Markierung der Refraktionsdaten basiert in dem angegebenen Fall auf der Höhe der Myopie. Unabhängig vom erreichten Visus (z. B. Visus 1,2) gilt eine sphärische Refraktion von −3,0 dpt oder stärker als klinisch relevant, da mit zunehmender Myopie das Risiko für periphere Netzhautveränderungen ansteigt. Entsprechend der Empfehlung des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) sollten ab einer Myopie von −3 dpt routinemäßig eine Untersuchung der peripheren Netzhaut erfolgen (Quelle: BVA Gesunde Augen – Wann zum Augenarzt). Dies Empfehlung geben wir an unsere Kunden entsprecehnd weiter. Die Einstufung als „auffällig (Gelb)“ dient daher als Hinweis- und Sensibilisierungsmarker, um auf ein erhöhtes ophthalmologisches Risiko hinzuweisen und eine weiterführende Abklärung anzuregen – auch bei subjektiv guter Sehschärfe.

Sie setzen als einziger Anbieter auf eine ärztliche Vollbefundung. Sehen Sie dadurch ein Risiko für subjektive Varianzen zwischen befundenden Ärzten, und wie begegnen Sie diesem Risiko?

Die ärztliche Vollbefundung ist bewusst als zentrales Qualitätsmerkmal unseres Ansatzes gewählt worden, da sie eine ganzheitliche medizinische Bewertung ermöglicht, die rein automatisierte oder teilstandardisierte Verfahren aktuell nicht leisten können. Uns ist dabei bewusst, dass ärztliche Befundung grundsätzlich individuelle Einschätzungen beinhalten kann. Wir arbeiten mit klar definierten Befundkriterien, standardisierten Bewertungsschemata und strukturierten Befundmasken, die eine einheitliche Interpretation der erhobenen Daten sicherstellen. Ergänzend erfolgen regelmäßige Schulungen und interne Qualitätskontrollen zwischen den befundenden Ärztinnen und Ärzten. Darüber hinaus orientieren sich alle Befundungen an aktuellen fachärztlichen Leitlinien und evidenzbasierten Empfehlungen. Die Kombination aus ärztlicher Expertise und konsequenter Standardisierung stellt sicher, dass die Befunde sowohl konsistent als auch medizinisch hochwertig sind.

Wie stellen Sie bei akut auffälligen Fällen eine kurzfristige Reaktionszeit und eine zügige Patientenführung (z. B. Terminierung beim Augenarzt) sicher?

Akut auffällige Befunde stellen in unserem Vorsorgekonzept eine seltene Ausnahme dar (unter 1 % der untersuchten Teilnehmenden), erfordern jedoch eine besonders schnelle und strukturierte Reaktion. Die durchschnittliche ärztliche Befundzeit liegt bei ca. 30 Stunden. Für ein Vorsorgesetting mit überwiegend symptomfreien Menschen ist dies ein sehr kurzer und zugleich medizinisch sinnvoller Zeitrahmen, der eine qualitativ hochwertige Befundung bei gleichzeitig hoher Reaktionsfähigkeit ermöglicht. Sobald im Rahmen der ärztlichen Vollbefundung eine akut dringliche Auffälligkeit identifiziert wird, greift ein klar definierter Eskalationsprozess: Der oder die Augenvorsorgeteilnehmer:in wird umgehend telefonisch durch unseren Kundenservice kontaktiert. In diesem persönlichen Gespräch wird die Situation erläutert und gemeinsam die nächstmögliche und medizinisch passende Form der Weiterbetreuung eruiert – beispielsweise eine kurzfristige Terminierung bei einer augenärztlichen Praxis oder Klinik. Durch diese Kombination aus schneller Befundung, klaren Eskalationswegen und persönlichem Kontakt stellen wir sicher, dass auch in seltenen akuten Fällen eine zeitnahe, koordinierte und kundenzentrierte Weiterbehandlung erfolgt.

Ihr Bericht empfiehlt mit „Augenarzt innerhalb von 3 Monaten“ die kürzeste Kontrollfrist aller verglichenen Systeme – welche Kriterien führen konkret zu dieser Empfehlung?

Im konkret untersuchten Fall wurde die Empfehlung „augenärztliche Vorstellung innerhalb von 3 Monaten“ auf Grundlage der individuellen fachärztlichen Bewertung der erhobenen Befunde ausgesprochen. Es zeigten sich Auffälligkeiten, die als klinisch relevant und kontrollbedürftig eingestuft wurden. Konkret wurde der Sehnerv links von der befundenden Ärztin als abklärungsbedürftig eingeschätzt. Die Entscheidung erfolgte auf Basis unserer internen, standardisierten Bewertungskriterien, die sich an nationalen und internationalen augenärztlichen Leitlinien orientieren. Innerhalb dieses strukturierten Rahmens trifft der befundende Arzt eine fallindividuelle Entscheidung, bei der neben Art und Ausprägung der Auffälligkeit auch potenzielle Risiken sowie der Gesamtbefund berücksichtigt werden. Im vorliegenden Fall besteht aufgrund der Myopie ein anerkannter Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms (Grüner Star), was in der Gesamtbewertung berücksichtigt wurde. In der Zusammenschau der erhobenen Befunde und der bestehenden Risikokonstellation hat sich die befundende Fachärztin daher für die Empfehlung einer augenärztlichen Kontrolle innerhalb der nächsten drei Monate entschieden.

RetinaLyze

Wie organisieren Sie die Anschlussversorgung des Patienten bei einem regionalen Augenarzt nach einem auffälligen Befund?

RetinaLyze unterstützt Optiker, indem es klare und standardisierte Empfehlungsempfehlungen direkt im Bericht enthält. Die Koordination mit regionalen Augenärzten wird vom Optiker durchgeführt, wobei er den lokalen Pflegewegen folgt. Wo strukturierte Netzwerke vorhanden sind, kann RetinaLyze auch in vordefinierte Empfehlungsprozesse integriert werden, um eine konsistente Nachverfolgung zu gewährleisten.

Ihr Testbericht weist „RetinaLyze Glaucoma“ aus, während andere Systeme keinen Glaukomverdacht erkannten – wie erklären Sie diese Differenz in der Risikoeinschätzung?

RetinaLyze Glaucoma verwendet einen speziellen Algorithmus, der strukturelle Merkmale des Sehnervs analysiert, einschließlich des Cups-Disc-Verhältnisses, neuroretinale Randintegrität und Hämoglobindichte. Nicht alle Systeme enthalten ein Glaukommodul oder wenden die gleichen Schwellenwerte an. Unser Tool wurde entwickelt, um potenzielle Risiken frühzeitig zu kennzeichnen, und stellt keine diagnostische Bewertung dar, die Unterschiede zwischen den Systemen erklärt. In diesem speziellen Fall war das Ergebnis „gelb“, was bedeutete, dass Folgetests wie Sichtfelduntersuchung, OCT-Disk-Bildgebung und/oder Tonometrie der klinisch angemessene nächste Schritt wären.

Im Bericht verweisen Sie auf eine umfassende Anamnese – wird diese ausschließlich vor Ort beim Optiker erhoben, oder fließen weitere Informationsquellen ein?

Die im Bericht erwähnte Anamnese wird vom Optiker vor Ort gesammelt. RetinaLyze hat keinen Zugriff auf externe Krankenakten in seiner Standardkonfiguration; es arbeitet ausschließlich mit den Informationen, die an der Stelle der Versorgung gesammelt wurden. Das System kann jedoch in EHR- oder PACS-Umgebungen integriert werden, in denen Partner Arbeitsabläufe optimieren und manuelle Dateneingaben vermeiden möchten.

Die Bildqualität wird im Bericht z. B. mit „Grau – Unzureichende Bildqualität“ klassifiziert – wie schließen Sie unzureichende Bildqualität bereits im Messprozess aus, und erfolgt die konkrete, sehr detaillierte Formulierung der Empfehlungen rein algorithmisch oder zusätzlich durch eine ärztliche Befundung?

Die Bildqualität wird automatisch bewertet, bevor die KI-Analyse beginnt, und viele Geräte liefern Echtzeit-Feedback während der Bildaufnahme, so dass minderwertige Bilder sofort erneut aufgenommen werden können. Sowohl die Bildqualitätsklassifizierung als auch die Empfehlungen in der

Skleo

Ihr Bericht wurde in einem Drogeriemarkt-Kontext (z. B. DM) erhoben – bieten Sie differenzierte Auswerteoptionen für Drogeriemärkte versus Augenoptiker an?

Unser System passt sich dem Hardware-Setting beim Partner an, der medizinische Kernprozess bleibt jedoch identisch.
Im Drogeriemarkt: Es erfolgt ein automatisierter Sehtest (Visus/objektive Refraktion mittels Autorefraktometer) und die Netzhautaufnahme.
Beim Optiker: Der Optiker ergänzt meistens noch mit der Messung des Augeninnendrucks und führt zusätzlich die subjektive Refraktion durch.
Der Ergebnisbericht: Fundusaufnahmen und Sehtest sind das Basis-Setting für alle. Jedes Screening wird ausnahmslos von einem Facharzt für Augenheilkunde ärztlich validiert.
Optiker Partnerschaften: Wenn wir bei dm-Kunden eine auffällige Refraktion feststellen, leiten wir diese aktiv an unsere Optiker-Partner weiter. Ein Modell, für das wir extrem positives Feedback von unseren Partnern erhalten haben.

Werden Refraktionsdaten und Visus standardmäßig gerätegestützt ermittelt, oder können diese Werte auch manuell (z. B. subjektive Prüfung durch einen Augenoptiker) erfasst und übergeben werden?

Unser System ist hybrid. Wird ein Autorefraktometer verwendet, fließen die Daten (Visus/Refraktion) automatisch in unser System. Werte aus der manuellen Prüfung durch den Augenoptiker können aber jederzeit in der Maske erfasst werden.

Im Bericht wird angegeben, dass Rückfragen ausdrücklich nur per E-Mail erwünscht sind – was ist der Hintergrund dieser Kommunikationsregelung?

Der Kanal dient ausschließlich allgemeinen Fragen zum Bericht (Format, Verständnis). Wir beantworten keine medizinischen Fragen zum Inhalt. Für die medizinische Abklärung verweisen wir konsequent an den Facharzt vor Ort.

Wenn die ärztliche Rolle bei Ihnen auf die Plausibilitätsprüfung der KI beschränkt ist, wie stellen Sie sicher, dass sonstige Retinaveränderungen dennoch zuverlässig erkannt werden?

Hier ist das Wording entscheidend: Es handelt sich um einen „ärztlich validierten Ergebnisbericht“. Der Arzt ist die finale Instanz, nicht die KI.
Erkennt die KI etwas nicht, der Arzt aber schon: Die Information wird vom Arzt manuell ergänzt. Wir haben so bereits über 100 verschiedene Pathologien identifiziert.
Erkennt die KI ein Artefakt als Pathologie: Der Arzt verwirft es.
Das garantiert, dass auch seltene Veränderungen der Netzhaut oder komplexe Pathologien erkannt werden, die eine reine KI – welche oft nur auf 3–4 Standard-Pathologien trainiert ist – übersehen würde.

Update


Wir begleiten den Kunden vom Screening bis zur ärztlichen Anbindung.
Viele Wettbewerber sprechen von Arztanbindung, versenden operativ aber oft nur E-Mails oder verlinken auf Doctolib, woraufhin der Patient trotzdem auf langen Wartelisten landet. Wir bieten dagegen echte, buchbare Termine bei unseren Partnerärzten innerhalb 1-2 Wochen direkt über unsere Plattform an.
Alternativ bieten wir eine Rückruf-Option und unterstützen den Kunden auf Wunsch aktiv bei der Terminfindung.
Bei älteren Personen rufen unsere Teams teils proaktiv an, um bei der Anbindung an den Arzt zu unterstützen.
Selbstverständlich weisen wir dabei transparent auf die freie Arztwahl hin.

VISIONIX

Wie gewährleisten Sie die Anschlussversorgung des Patienten bei einem regionalen Augenarzt nach einer Auffälligkeit im Screening?

Wir unterstützen unsere Kunden dabei, lokale Verbindungen zu Augenärzten aufzubauen. Es ist uns besonders wichtig, dass Optiker eine professionelle und direkte Zusammenarbeit mit Augenärzten pflegen, um eine schnelle Weiterbehandlung bei Auffälligkeiten sicherzustellen. Dieser Service ist vollständig in unserer Onboarding-Begleitung enthalten.

Im Bericht werden unter „Andere Auffälligkeiten“ pauschal Meldungen wie „Auffälligkeit gefunden“ ausgegeben, ohne nähere Erläuterung – wie sind solche Meldungen technisch und medizinisch begründet?

Eine Krankheit besteht aus mehreren Veränderungen. Eine einzelne Veränderung kann auf unterschiedliche Krankheiten hinweisen. Gerade bei seltenen Erkrankungen ist es nicht ungewöhnlich, dass die Veränderungen nicht eindeutig einer bestimmten Krankheit zugeordnet werden können. Der Hauptfokus einer KI liegt auf der Erkennung von Veränderungen – nicht auf der Einordnung der Veränderungen zu Krankheiten. Dieser Schritt muss immer durch den kompetenten und geschulten Analysten durchgeführt werden. Zusätzlich ist es nicht hilfreich, den Kunden bei unklarer Ausgangslage zu verunsichern. Unsere KI hat die Leistungsfähigkeit und Sicherheit durch unabhängige Studie bewiesen, unabhängig bestätigt durch MDR-Zulassung. Andere zugelassene, und nicht zugelassene KI’s analysieren nur auf die Veränderungen von 3 Krankheiten. Diese 3 Krankheitsbilder weisen wir klar aus. Somit gibt es auch keine Wettbewerbslösung, die sich hier durch konkrete Einordnung positioniert.

Ihr Bericht umfasst nur eine Seite und ist damit der knappste im Vergleich – welche Gründe liegen diesem kompakten Format zugrunde?

Die Analyse einer KI darf nicht mit einem rein visuellen Erkennen von Veränderungen verwechselt werden. Eine Erkrankung beruht auf zahlreichen Veränderungen, wobei einzelne Auffälligkeiten auf unterschiedliche Krankheitsbilder hindeuten können. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass eine Veränderung an einem für den Optiker sichtbaren Bereich erkennbar ist. Die KI verarbeitet Bilddaten und leitet anhand von Fragmenten und Mustern Rückschlüsse auf Veränderungen ab. Diese müssen nicht zwangsläufig visuell wahrnehmbar oder als Auffälligkeit identifizierbar sein. Wir haben uns aus diesem Grund für einen kompakten Report entschieden, da die Resultate immer der Startpunkt für weitergehende Analysen sein müssen – bei jeder KI.

Unterscheiden sich die Berichtsauswertungen zwischen den unterstützenden Geräten VX610 und VX650, und ist Ihr Auswertesystem grundsätzlich auch auf andere Kameratypen übertragbar?

Die Zulassung einer Software oder KI erfolgt nie isoliert. Eine zugelassene KI muss, wie jede Software, ihre Leistungsfähigkeit stets in Kombination mit definiertem Eingangsmaterial nachweisen. Die Zulassung basiert daher immer auf einer Kombination aus Kamerabildern und KI, wobei die Kompatibilität beider Systeme sichergestellt werden muss. Jede neue Kamera erfordert eine neue Datenbasis. Aus diesem Grund haben wir uns für ein System entschieden, welches unsere Kamerasysteme und unsere KI umfasst – um die Sicherheit und Leistungsfähigkeit unserer Lösung zu gewährleisten.“